
Tagebuch 1 / 5 · um 150 · ein Vormittag zur Zeit der Getreideflotte
Das Forum von Ostia um 150 n. Chr.: Die Stadt, die Rom satt macht
Stell dich hierher, auf das Forum, und schau nach Norden. Was du siehst, ist keine Ruine, sondern das Herz einer Stadt von vielleicht fünfzigtausend Menschen: das Capitolium, vor dreißig Jahren unter Hadrian gebaut, in weißem Marmor, sechs Säulen, ein Giebel, Bronzetüren. Rechts und links Säulenhallen, dahinter Speicher, in denen das Getreide Ägyptens liegt, bevor es den Tiber hinauf nach Rom geht. Im Hafen liegen die Schiffe aus Alexandria und Karthago; ihre Reeder haben ihre Büros hinter dem Theater mit Mosaiken gepflastert.
Der Tempel und die Treppe stehen, wo sie im Foto stehen; ihr Marmor ist belegt, die Säulen sind aus dem Grundriss und den Fundamenten erschlossen. Die Säulenhallen des Forums sind ergraben, ihre Höhe geraten. Die Menschen, der Stier, die Sänfte: erfunden, nach dem, was ein Forum an einem Vormittag brauchte. Minucius Felix, ein Anwalt aus Rom, kam ein paar Jahrzehnte später zur Weinlese hierher, um im Meer zu baden. Er nannte Ostia eine sehr angenehme Stadt.
Ein Anwalt aus Rom, um 200
„Wir kamen überein, in die sehr angenehme Stadt Ostia zu gehen, damit mein Körper durch das Baden im Meer ein wohltuendes Heilmittel für seine Säfte fände, zumal die Gerichtsferien zur Zeit der Weinlese mich von meinen Sorgen befreit hatten.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Nicholas Hartmann (CC BY-SA 4.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



