
Tagebuch 1 / 5 · um 135 n. Chr. · ein Vormittag
Die Celsus-Bibliothek um 135 n. Chr.: Ein Grab voller Bücher
Stell dich hierher, auf den Platz vor der Treppe, und schau hinauf. Was du siehst, ist keine gewöhnliche Bibliothek, sondern ein Grabmal: Unter dem Lesesaal liegt Tiberius Julius Celsus Polemaeanus, Statthalter der Provinz Asia, in einem Marmorsarkophag. Sein Sohn hat ihm dieses Haus gebaut, mit 12.000 Schriftrollen in den Wandnischen, und er hat Geld hinterlassen, damit jedes Jahr neue gekauft werden.
Die Fassade ist ein Bühnenbild: zwei Geschosse, die Säulen oben schmaler als unten, damit der Bau höher wirkt, und vier Frauen in den Nischen, die sagen, was hier zählt: Weisheit, Tugend, Einsicht, Wissen. Die Farben sind erfunden, aber dass die Fassade bunt war, ist sicher. Grau war die Antike nie.
Die Inschrift am Bau
„Für Tiberius Julius Celsus Polemaeanus, Konsul, Prokonsul von Asia, hat Tiberius Julius Aquila Polemaeanus, sein Sohn, die Bibliothek errichtet.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Carole Raddato (CC BY-SA 2.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



