
Tagebuch 1 / 5 · um 750 n. Chr. · ein Festtag
Tikal in der Blütezeit um 750 n. Chr.: Die rote Stadt
Stell dich hierher, auf die oberste Stufe von Tempel II, und schau nach Osten. Der rote Berg vor dir ist keine Ruine, er ist gerade erst fertig: Tempel I, das Grab von Jasaw Chan K’awiil I., der 682 den Thron bestieg, 695 den Erzfeind Calakmul schlug und 734 starb. Sein Sohn Yik’in Chan K’awiil hat den Bau vollenden lassen, und oben auf dem Dachkamm sitzt der tote König, überlebensgroß aus Stein und Stuck, und schaut auf seine Stadt. Unter deinen Füßen liegt Tempel II, den Jasaw wohl seiner Frau gewidmet hat.
Nichts hier ist grau. Die Pyramiden sind verputzt und rot gestrichen, die Plaza ist ein weißer Kalkboden, und die Stelen vor der Nordakropolis links, dem Friedhof der Könige, tragen Farbe. Wie viel Rot und wie viel Creme, das weiß niemand; dass Tikal bunt war, ist sicher. Die Menschen unten, die Federn, die Trommeln: erfunden, aber nicht aus der Luft gegriffen. Die Stelen zeigen genau solche Feste.
Die Inschrift im Tempel
„Es wurden niedergeworfen Feuerstein und Schild des Yich’aak K’ahk’, des göttlichen Herrn von Kanu’l.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Mario Bollini (CC BY 2.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



