Im Hypogäum dokumentierte das Team um Heinz-Jürgen Beste halbrunde Aussparungen in den Mauern, paarweise senkrechte Kanäle, Löcher mit Bronzeringen im Boden und schräge Schlitze. Es deutet sie als Platz für Spillwinden, als Führungen für Käfige und Plattformen, als Lager der Wellen und als Auflager für Rampen. Vier Hauptbauphasen ließen sich unterscheiden; der Parco nennt einen hölzernen Unterbau zur Eröffnung, der unter Domitian in Mauerwerk übersetzt wurde.
Befund / Quelle: Smithsonian Magazine · Secrets of the Colosseum (H.-J. Beste, DAI Rom, 2011)Lies die Mauern unter der Arena nicht als Gänge, sondern als Negativabdruck einer Anlage aus Holz, Seil und Metall. Jede Rille hatte ein Gegenstück, das verschwunden ist. Die Forschenden haben aus diesen Spuren Modelle gebaut und geprüft, ob sich Käfig, Winde und Rampe tatsächlich zusammenfügen. So entsteht aus einem verwirrenden Grundriss ein Ablauf: Tiere unten im Dunkel, Männer an den Winden, Kulissen, die aus dem Boden steigen. Das Foto von oben zeigt die Bühne ohne ihre Technik.
Was sich daraus nicht sicher ableiten lässt
Die Zahl der Winden und die genaue Mechanik sind Rekonstruktionen aus Spuren und Schriftquellen, keine erhaltenen Maschinen. Welche Anlage in welcher Bauphase lief und welche Vorführung an einem bestimmten Tag stattfand, lässt sich daraus nicht ableiten.