
Tagebuch 1 / 5 · um 1000 n. Chr. · ein Festtag
Chichén Itzá in der Blütezeit um 1000: Die bemalte Pyramide
Stell dich hierher, auf den weißen Boden der großen Plattform, und schau nach Süden. Die Pyramide vor dir ist nicht grau. Sie ist verputzt und bemalt, so wie fast alles, was die Maya bauten; der Chac Mool, den man 1936 tief in ihrem Innern fand, trug noch Reste seiner Farben, und der rote Jaguarthron daneben hat 74 Scheiben aus Jade als Flecken im Fell. Welche Farbe die Außenhaut hatte, weiß niemand; das Rot und die Felder in Blau, Grün und Ocker sind meine Vermutung.
Um das Jahr 1000 ist das neue Chichén auf dem Höhepunkt: Ballspielplatz, Kriegertempel, Tausend Säulen, alles neu, alles in einer Bauweise, die Maya-Tradition mit Formen aus Zentralmexiko verbindet. Die Stadt regiert den Norden Yucatáns. Sie hat noch fünfzig Jahre. Die Menschen, die Federn, der Rauch: erfunden. Dass hier gefeiert wurde, nicht.
Der Bischof, 550 Jahre später
„Dieses Bauwerk hat vier Treppen, die zu den vier Himmelsrichtungen zeigen; jede ist dreiunddreißig Fuß breit und hat einundneunzig Stufen, die zu steigen eine Mühe ist.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Arian Zwegers (CC BY 2.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



