
Tagebuch 1 / 5 · um 2560 v. Chr. · ein Vormittag in der Überschwemmungszeit
Die Baustelle der Cheops-Pyramide um 2560 v. Chr.: Der Berg des Cheops wächst
Stell dich hierher, in den Sand südlich des Plateaus, und schau nach Norden. Rechts wächst ein Berg aus Stein, zwei Drittel sind da, die Spitze fehlt noch, und an seinen Flanken kleben Rampen aus Lehmziegeln und Schutt, auf denen Trupps von zwanzig Mann Blöcke auf Schlitten ziehen. Links davon ist nichts: nacktes Felsplateau, ein paar Steinbruchgruben, aus denen der Kern der Pyramide kommt. Chephren und Mykerinos sind noch nicht geboren, oder Kinder. Vor dir, wo heute die Wüste leer ist, lagern die Mannschaften.
Wir kennen einen von ihnen mit Namen. Merer, Inspektor einer Mannschaft von vierzig Mann, hat im 27. Regierungsjahr des Cheops sein Tagebuch geführt: Er fährt mit dem Boot nach Tura, lädt weißen Kalkstein, fährt nach Achet-Chufu, dem „Horizont des Cheops“, und wieder zurück, alle zehn Tage rund dreißig Blöcke. Sein Papyrus lag 4.500 Jahre in einem Hafen am Roten Meer und wurde 2013 gefunden. Die Rampen, die Schlitten, die Trupps und der leere Fels sind belegt; die Ochsen, die Werkstätten und die Zelte im Vordergrund sind meine Erfindung.
Merer, Inspektor, 27. Jahr des Cheops
„Tag 26: Inspektor Merer legt mit seiner Mannschaft von Tura-Süd ab, mit Stein beladen, nach Achet-Chufu; übernachtet in Sche-Chufu. Tag 27: legt ab von Sche-Chufu, fährt nach Achet-Chufu, mit Stein beladen, übernachtet in Achet-Chufu.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Ricardo Liberato (CC BY-SA 2.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



