
Tagebuch 1 / 5 · Sommer oder Herbst 79 · früher Nachmittag
Herculaneum am Nachmittag des Ausbruchs 79: Die Stadt sieht die Wolke
Stell dich hierher, auf den Hang über der Stadt, und schau nach Nordwesten. Was du unten siehst, ist kein Ausgrabungsfeld, sondern eine lebende Stadt: rote Ziegeldächer, Balkone, die Terrasse mit dem Altar des Balbus, und davor das Meer, das bis an die Gewölbe reicht, in denen Boote lagern. Über dem Berg steht seit dem Mittag eine Wolke, die Plinius mit einer Pinie vergleicht. Der Wind treibt den Bimsstein nach Pompeji; hier fällt nur feine Asche, und das Licht wird gelb.
Die Menschen gehen zum Strand. Wer ein Boot hat, schiebt es ins Wasser; die anderen warten in den Gewölben auf Rettung vom Meer, mit Bündeln, Schmuck, ein Arzt mit seinem Besteck. Von Misenum aus lässt Plinius der Ältere die Flotte auslaufen, um Rectina zu holen, deren Villa am Fuß des Berges liegt. Er kommt nicht durch. Die Menschen am Strand, die Boote, das gelbe Licht: nach den Funden und Plinius’ Brief gedacht, im Einzelnen erfunden.
Der Neffe, an Tacitus
„Er war dem Berg nun so nah, dass die Asche, die dichter und heißer fiel, je näher er kam, in die Schiffe fiel, zusammen mit Bimssteinen und schwarzen Brocken glühenden Gesteins.“
Bild: KI-Vision auf Grundlage eines Fotos von Diego Delso (CC BY-SA 4.0), keine wissenschaftliche Rekonstruktion.



